Fragmente zwischen dem Leben
Gedanken über das Leben, kurze Beobachtungen und literarische Reflexionen – Texten im Stile einer Kolumne.
Eine Auswahl:
001_“Thema/Titel“Datum
002„Thema/Titel“Datum
003„Thema/Titel“_Datum
…
Er sieht mich nicht, obwohl er starrt.
Er fragt mich nicht, obwohl er keine Antwort hat.
Ich bin in einer Illusion gefangen.
– Für einen sterbenden Palast –
Ich schaue Dich an – mit Distanz.
Ich schaue Dich an – schüttle den Kopf.
Ich schaue aus der Ferne, von einem Platz, der
klar erscheint.
Einen Brunnen gibt es und ihn und sie und es.
Warum schaust Du so aus?
Was haben sie mit Dir gemacht?
Anfangs warst Du alles für sie und nun bist Du
nichts mehr.
Fast nichts mehr.
Du hast den Kampf verloren, sie waren zu gierig
und sind es noch!
Verworfen, verstoßen, verdrungen.
Es hat nicht mehr gepasst, Du hast nicht gepasst.
Schritt für Schritt, Scheibe für Scheibe, Stein für
Stein.
Noch kann ich Dich sehen und blicke jeden Tag
mutlos herüber, Blicke durch Dich hindurch.
Wird es auch mir so ergehen?
Deinen Mantel haben sie Dir ausgezogen. Viel zu
lang ließen sie Dich nackt stehen.
Deine Haut rissen sie ‚runter unter
hoffnungsvollem Protest. Deine Eingeweide
hatten sie bereits verscherbelt. Dein Blut sei längst
vertrocknet und vergiftet, erklärten sie.
Doch sie lassen Dich nicht gehen, nicht so schnell,
mein Freund!
Erst sollst Du leiden, ehe Du verweilen kannst –
wo auch immer das sein wird.
Deine zerfallene Seele ist noch da, solange der
letzte Pfeiler steht.
Bald wird etwas Neues kommen, das weiß ich
schon jetzt, ist ja schon geplant.
Stein auf Stein, Scheibe auf Scheibe, Schritt für
Schritt.
So muss es eben sein, so ist’s nun ‚mal.
Keiner wird mehr wissen, wie es war, wie Du
warst.
Sie sind dann andere und blicken dann auf etwas
Neues und werden staunen und bewundern.
Eine wunderschöne, passende Oberfläche,
seelenlos wie sie selbst.
Ich bin noch immer hier und warte und klage.
Warte auf ein Ende und klage, warum nicht einer
stark und wichtig genug war, Dich zu retten.
Sie haben Dich getötet, so wie sie es mit allem tun,
was ihnen nicht passt und nützt.
Ich stehe auf einem Platz.
Einen Brunnen gibt es
und ihn, der alles überwacht,
sie, die betet,
es, das befiehlt –
und Du, der schwindet.
Ich schaue Dich an und wende den Kopf, meine
Lippen ziehen sich ernst zusammen, wie für ein
„Tja, so ist das nun ‚mal“.
Auch für mich wird’s Zeit.
Langsam brauche auch ich eine neue Illusion.
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